Hardwaremonitor – Ein offener Brief an die Nutzer-Community

Nach genau 14 Jahren wurde die Entwicklung von Hardwaremonitor am 19. Juni 2017 eingestellt.

Das Produkt wird immer noch vertrieben und steht unter vollem Support, aber es wird keine Updates geben, um neue Macintosh-Systeme zu unterstützen, die 2017 oder später veröffentlicht wurden.

Dies war keine einfache Entscheidung, denn Hardwaremonitor war in all den Jahren ein sehr beliebtes und sehr erfolgreiches Software-Produkt. Wir möchten hiermit der Community von Anwendern und loyalen Kunden, die Hardwaremonitor für mehr als ein Jahrzehnt geliebt und unterstützt haben, die Gründe für diese Entscheidung erläutern.

Apple hat sehr klar herausgestellt, dass sie Software-Produkte wie Hardwaremonitor auf lange Sicht nicht tolerieren möchten. Es werden ständig neue technische Hürden, sowohl in der Hardware als auch im Betriebssystem hinzugefügt, um Sensorüberwachung in Drittanbieterprogrammen so schwierig wie nur möglich zu machen. Zusätzlich hat sich die Computer-Architektur, für die Hardwaremonitor ursprünglich einmal entwickelt wurde, in den letzten Jahren entscheidend geändert, so dass in den meisten Umgebungen keine Notwendigkeit mehr dazu besteht, Sensormesswerte an den Benutzer zu melden.


Apple hatte im August 2002 damit begonnen, per Software auslesbare Sensoren in Macintosh-Computer einzubauen. Die technischen Daten und Grenzwerte für jeden Messpunkt wurden entweder offiziell veröffentlicht oder sie konnten über andere Wege einfach ermittelt werden. Temperaturmonitor, die kostenlose Variante von Hardwaremonitor, wurde 10 Monate danach auf den Markt gebracht. Es wurde die Nummer Eins der Dienstprogramme, die Temperaturüberschreitungen erkennen konnten, ein allgemeines Problem der PowerPC-Technik, die zu jener Zeit genutzt wurde. Hardwaremonitor wurde als “Profi“-Version von Temperaturmonitor im Juli 2004 veröffentlicht. Es hat die gesamte Macintosh-Produktlinie abgedeckt und konnte die Messwerte aller eingebauten Sensoren zusammen mit deren Ortsangaben und technischen Daten auswerten. Im August 2005 wurde das Programm Hardwaremonitor Remote hinzugefügt, um Sensorwerte in einem ganzen Netz von Macintosh-Systemen zu erfassen.

Im Januar 2006 hat Apple mit dem Umstieg auf Intel-Prozessoren begonnen, was seitdem die Situation für Hardwaremonitor entscheidend verändert hat:

  • Intel-Prozessoren überwachen ihre eigenen Temperaturwerte unabhängig vom Betriebssystem und verwenden fortgeschrittene Techniken, um die Kühlung zu steuern. In Situationen mit Übertemperatur schalten die CPUs auf ein Throttling-Verfahren um oder führen einen sichere Selbstabschaltung durch. Systemabstürze oder sogar Hardware-Ausfälle aufgrund von Temperaturproblemen konnten nun von der Hardware selbst automatisch vermieden werden. Seit Januar 2006 hat Apple damit begonnen, alle offiziellen APIs (Schnittstellen für Anwenderprogramme), die Sensorzugriffe für Drittanbieterprogramme möglich machen, zu entfernen.
  • Im April 2008 hat Apple die Veröffentlichung der Developer Notes, der öffentlichen Dokumentation von Macintosh-Hardware, eingestellt. Die Technik der Macs wurde quasi zu einem Betriebsgeheimnis.
  • Bei bestimmten Macintosh-Modellen, die im Jahre 2008 oder später veröffentlicht wurde, ist die Bus-Hardware nicht mehr länger darauf ausgelegt, um Sensordaten effizient weiterzuleiten während ein Standard-Betriebssystem läuft. Programme, die auf solchen Baureihen auf Sensorwerte zugreifen, können von Performance-Problemen betroffen sein.
  • Im Juli 2010 hat Apple den Xserve abgekündigt, das letzte System, das den Zugriff auf Sensordaten über das Betriebssystem offiziell unterstützt hat.
  • Im Februar 2011 beginnt das Betriebssystem damit, Energieverbrauchs- und Leistungswarnungen für Programme aufzuzeichnen, die versuchen, auf bestimmten Macintosh-Baureihen Sensormesswerte zu erfassen.
  • Seit 1. Juni 2012 dürfen neue Programme, die in der Lage sind, auf Sensordaten zuzugreifen, nicht mehr über den Mac App Store vertrieben werden. Das Betriebssystem kann Programme, die versuchen, diese Einschränkung zu umgehen, erkennen und blockieren.
  • Im Juni 2013 wird der Apple Hardware Test durch Apple Diagnostics ersetzt. Technische Auffälligkeiten, die sich auf Sensoren beziehen, werden dem Benutzer nicht mehr mitgeteilt.
  • Im gleichen Zeitraum stoppt Apple die Vorgehensweise, Details über Sensoren in den Apple Technician Guides zu dokumentieren, den internen Handbüchern, die nur autorisierten Wartungstechnikern zur Verfügung stehen.
  • Im Juni 2014 benötigen Programme, die unter eigener Kontrolle auf die internen Kerntemperatursensoren von Intel-Prozessoren zugreifen, dazu eine spezielle Erlaubnis von Apple.
  • Im Juli 2016 beginnt Apple damit, Verschlüsselungstechnik einzusetzen, um alle verbliebenen Diagnosekomponenten zu schützen, die es erlauben würden, Sensordaten zu interpretieren.
  • Im April 2017 erklärt Apple, dem Recycling mit in sich abgeschlossenen Lieferketten eine höhere Priorität zu geben, als der Langzeitnutzung von Hardware-Produkten. Als Folge davon ist Nachhaltigkeit in Hardware und Software nicht mehr deren Ziel.

Aufgrund dieser langen Liste von Hürden, die von Apple kontinuierlich aufgebaut wurde, ist es immer weniger machbar geworden, die Weiterentwicklung von Hardwaremonitor fortzusetzen, nicht nur unter technischen, sondern auch unter wirtschaftlichen, juristischen und politischen Aspekten. Auch wenn wir viele der Probleme beim Erfassen von Sensorwerten auf neuen Hardware-Modellen jedes Jahr lösen könnten, ergibt dies nicht mehr viel Sinn, wenn die Bedeutung der Messwerte so streng unter Verschluss gehalten wird.